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Aargauer Weinbau - Herausforderungen der Zukunft

Quelle /
Markus Fuchs
Der Aargauer Weinbau hat auch eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung. Die Nachfrage steigt, auch wenn der Aargauer Wein noch immer vorwiegend im eigenen Kanton getrunken wird.

Anbauflächen, Erntemengen sowie die produzierten Weinmengen ergeben bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 13 Franken pro Flasche einen jährlichen Gesamtbruttoumsatz von 36 bis 40 Mio. Franken. Die Branche steht aber weiterhin vor grossen Herausforderungen: Im europäischen wie auch im schweizerischen Vergleich sind die Produktionskosten im Aargau immer noch relativ hoch.

Auch neue Krankheiten und Schädlinge wie beispielsweise die Kirschessigfliege, die kritische Haltung grosser Teile der Bevölkerung gegenüber Pflanzenschutzmitteln (insbesondere Herbizide) und eine stetig wachsende Bürokratie werden den Winzern auch künftig zu schaffen machen. Die wohl grösste Herausforderung der aargauischen Weinproduzenten dürfte in den nächsten Jahren aber darin bestehen, die Weine so auf dem Markt zu positionieren, dass sie sich trotz relativ hohen Produktionskosten und Verkaufspreisen gegenüber der starken ausserkantonalen und ausländischen Konkurrenz behaupten können. Um für diese Ziele einzustehen und die Interessen der Branche zu vertreten, ist ein starker Branchenverband mit einer breiten Mitgliederbasis unerlässlich.

Der heutige Branchenverband Aargauer Wein

Während des 20. Jahrhunderts löste sich der Verband mehrmals auf und konstituierte sich immer wieder neu. Heute sind im Branchenverband Aargauer Wein die meisten der rund 600 Winzerinnen und Winzer sowie weitere wesentliche Akteure wie Weinbaugenossenschaften und der Weinhandel zusammengeschlossen. Es braucht kantonale Weinverbände wie im Aargau. Versuche, mit schweizerischen Gesamtverbänden den «Schweizer Wein» als Einheit zu bewerben, waren bisher nur mässig erfolgreich.

Aargauische Weine verfügen über ein hohes Qualitätsniveau sowie ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Massnahmen zur Steigerung von Image und Bekanntheitsgrad müssen zuoberst auf der Prioritätenliste des kantonalen Branchenverbandes sein. Dabei dürfen nicht Partikularinteressen oder der Verkauf einzelner Produkte, sondern es muss der Aargauer Wein in seiner Gesamtheit und in seiner Vielfalt im Vordergrund stehen. Alle Massnahmen des Verbands sollen dazu beitragen, dass die Stellung der Aargauer Weine gegenüber ausserkantonalen wie auch ausländischen Weinen behauptet oder sogar verbessert wird. Davon sollten schliesslich alle Verbandsmitglieder profitieren.

Marke «Aargauer Wein» ein Qualitätslabel

Die topografische Vielfalt, die unterschiedlichen Bodenverhältnisse entlang von Flüssen und Seen oder an den Jurahängen sowie die mikroklimatischen Gegebenheiten führen dazu, dass der Weinbau im Aargau vor allem aufgrund seiner Vielfalt den Anspruch erheben kann, in der Deutschschweiz einzigartig zu sein. Die Winzerinnen und Winzer zeigen Jahr für Jahr, dass es möglich ist, herausragende Leistungen zu erbringen. Für ein gutes Image und eine vortreffliche Qualität der Aargauer Weine wurde in den letzten Jahren viel unternommen.

Verbandsgründung im Jahr 1867

1859 wurde der Weinbau-Verein Aarga auf das Aaretal im Bezirk Brug, durch Jakob Amsier aus Schinznach gegründet. Über seine Motivation, den Verein zu gründen, sagte er an der ersten Versammlung vor über 50 Winzern, die seinem Ruf gefolgt sind, wie nötig es sei, einem so wichtigen Zweige der Landwirtschaft - nämlich dem Rebbau - Fortschritte zu bringen; wie sehr den Weinproduzenten daran liegen müsse, ihr Produkt zu veredeln, damit nicht fremde Weine, begünstigt durch die leichten Verkehrsmittel, den Vorrang zu den Ihrigen gewinnen oder ihr Produkt ganz in den Hintergrund zu stellen.

Amsler formulierte schon damals Ziele, die bis heute nichts an Aktualität elngebüsst haben. Zusätzlich dazu verfasste er die Statuten und definierte die Einführung und Verbreitung von edlen Rebsorten, die systematische Pflege der Weinrebe, periodische Besuche und Kontrollen der Reben sowie die Errichtung von Rebschulen als wichtigste Aufgaben. Die Zahl der Mitglieder stieg rasant und der Staat unterstützte den Verein und vor allem seine Mitglieder grosszügig mit Darlehen. Zahlreiche andere Regionen im Kanton wollten sich dem Verein anschliessen; und so wurde schliesslich 1867 die Aargauische Weinbaugesellschaft als Verband mit über 500 Mitgliedern gegründet. Die Zahl der Mitglieder wuchs rasch auf 850 an.

 

Bild: Der aktuelle Vorstand des Branchenverbandes Aargauer Weinbau (v I.) Rebbaukommissär Urs Podzorski, Michael Wetzei Markus Fuchs, Sibylle Oeichlr, Präsident Roland Michel, Urs Gasser und Pascal Purer.